Aufstellungen und die Freiheit zu spüren, was ist.

Aufstellungen ergreifen oft alle Beteiligten – selbst die Beobachtenden und die StellvertreterInnen, nicht nur den/ die FallgeberIn. Sie fördern gegenseitiges Verständnis, Empathie und ermöglichen Lösungen in verfahrenen Beziehungen. 

Doch wie ist das möglich? Und was geschieht eigentlich in Aufstellungen?

Die aus meiner Sicht stimmigste und hilfreichste Antwort sei hier in zwei Thesen skizziert (vgl. dazu Diana Drexler: „Einführung in die Praxis der Systemaufstellungen“, Carl-Auer-Verlag, 2015.): 

  1. Aufstellungen eröffnen einen Raum, in dem die eigenen körperlichen und emotionalen Wahrnehmungen gespürt und benannt werden dürfen. 

Das ist nicht selbstverständlich, denn im Laufe unserer Sozialisation bis heute gab und gibt es zahlreiche Situationen, in denen das eigene Spüren mit den Aussagen, (Rollen-)Erwartungen und Regeln der Gesellschaft in Konflikt gerät.

Aufstellungen aber öffnen einen Wahrnehmungs- und Spürraum: Der Schlüssel dazu ist die sogenannte „phänomenologische Haltung“. Diese muss dazu von der Leitung vorgelebt werden und ermöglicht werden: Sie öffnet ihre Wahrnehmung, indem sie möglichst ohne Urteil, ohne Absicht und neutral zuhört und hinschaut. 

Dadurch lädt sie implizit und explizit auch die StellvertreterInnen ein, ihrerseits wahrzunehmen, wie es ihnen an den Positionen in der Aufstellung geht und dies ohne Wertung in einfachen Worten zu benennen. Statt um Metareflexion und „sprechen über“ die Beziehungen und den Fall ( wie in klassischer systemisch-konstruktivistischer Therapie und Beratung), geht es um möglichst einfache, reine Wahrnehmung und Benennung des emotionalen und körperlichen Erlebens der Stellvertreter in der aufgestellten Beziehungskonstellation. 

Eine Aufstellung ist also die implizite Einladung an alle Beteiligten, in einen inneren Suchprozess zu gehen, ihr sinnliches Erleben zuzulassen und in Worte zu fassen. Das Ergebnis sind dann oft einfache metaphorische Aussagen über körperliches Erleben:

„Ich fühle mich freier im Brustbereich!“

„Ich habe einen Kloß im Hals. 

„Meine Beine sind schwer.

Daraus ergeben sich dann angemessene Interventionmöglichkeiten, z.B. Blickkontakt herstellen lassen, Stellvertreter umstellen oder anders ausrichten lassen. Folgt man als Leitung diesem Dialog mit den Stellvertretern und achtet gleichzeitig darauf, dass auch der/ die FallgeberIn in gutem Kontakt mit dem Aufstellungsgeschehen ist, ergibt sich daraus mit etwas Glück eine gute Lösung: Eine Konstellation, in der sich alle Stellvertreter besser zueinander in Beziehung erleben.

  1. Aufstellungen bilden das subjektive innere Bild des/der FallgeberIn ab, nicht die Wirklichkeit. 

Aufstellungen stellen Beziehungsdynamiken oftmals sehr stimmig dar. Es kommen sogar Informationen über die Beziehungdyanmiken ans Licht, die selbst dem/ der FallgeberIn nicht bewusst waren. Immer wieder werden auch angebliche Fernheilungswirkungen als Argument angeführt, etwa in der Art: 

„Als ich von meiner Aufstellung nach Hause kam, klingelte das Telefon und mein Bruder, der mich seit Jahren ignorierte, rief mich auf einmal an.“ 

Diese Beobachtungen wurden und werden von Aufstellenden und Klienten manchmal als Hinweis gesehen, dass wir über die StellvertreterInnen in einer Aufstellung Kontakt zu einer tieferen Wirklichkeit haben. Und zwar zu der Wirklichkeit des nicht anwesenden Systems, sei es eine Familie oder eine andere Konstellation. 

Spekulationen gingen sogar soweit, dass durch Aufstellungen medial mit Verstorbenen Kontakt aufgenommen werden kann und Energien befriedet werden können, die den KlientInnen anhaften. Aufstellungen werden so zu etwas wie esoterische nBeschwörungsritualen. Mit systemisch-konstruktivistischer Beratung haben Aufstellungen dann wenig gemeinsam. 

Diese Sichtweise halte ich gleich mehrfach für gefährlich: 

a) Aufstellungen werden so zu esoterischen Beschwörungsritualen

Zum Einen wird die Aufstellungsleitung dann zu einer Art Geisterbeschwörer: Durch ihre besondere phänomenologische Schau hat sie Zugang zu dem verborgenen Beziehungswissen, dass sie als Lösung für den/die FallgeberInn in der Aufstellung erkennt und verschreibt. Wer dies nicht annimmt, ist dann im Widerstand oder „noch nicht so weit“. Dies lädt Besserwisserei und Machtmissbrauch ein, dient aber nicht einer emanzipatorischen, die Selbstverantwortung aktivierenden Beratung oder Therapie auf Augenhöhe.

b) KlientInnen sind abhängig von der Auflösung/ Befriedung der Geister

Zum Anderen lädt es die KlientInnen von Aufstellungen zu dem Glauben ein, wenn nicht die verborgenen Energien oder vergangenen Beziehungen befriedet und geklärt werden, können sie in ihrem aktuellen Leben nicht glücklich werden. Auch dies erzeugt eine Abhängigkeit und Opferhaltung von der Vergangenheit bzw. der Auflösung entsprechender Energien/ Zusammenhänge, statt dass es meine KlientInnen stärkt, ihr Leben aktiv und selbstbestimmt in die Hand zu nehmen.

Werden in Aufstellungen dagegen nur die inneren Bilder der KlientInnen aufgestellt, so nimmt sich die Sache wesentlich profaner aber auch gestaltbarer aus: 

Wir arbeiten dann mit den Bildern von Beziehungen, den Bildern von Vater, Mutter oder von der Beziehung zu ihnen, etc. Es geht dann um innere Loyalitäten, Erwartungen, Polarisierungen, Identifikationen, die in einer Aufstellung bearbeitet werden können. 

Die Rückmeldungen der StellvertreterInnen zeigen dann an, ob die von der Leitung vorgeschlagenen Interventionen stimmig sind. Und wenn der/die FallgeberIn mit der Aufstellung in guten Kontakt/ Resonanz ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Veränderungen in der Aufstellung auch von ihr wieder internalisiert werden:
Das Lösungsbild wird dann zum neuen inneren stärkendem Bild. 

In diesem Sinne möchte ich abschließend die drei der fünf Freiheiten von Virginia Satir zitieren, die den öffnenden Raum, wie ich ihn mir in Aufstellungen wünsche, treffend charakterisieren. Aufstellungen sind eine Einladung dazu: 

Die Freiheit, das zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist, anstatt, was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird. 

Die Freiheit, das auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke, und nicht das, was von mir erwartet wird. 

Die Freiheit, zu meinen Gefühlen zu stehen, und nicht etwas anderes vorzutäuschen. 

Virginia Satir

Herz, Verstand und Hand im Einklang

Wenn sich etwas stimmig anfühlt, dann sind wir mit Herz und Verstand im Einklang. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir uns entscheiden und zielstrebig handeln. Dies sind Momente, in denen das Leben gelingt, wir einen Schritt in die richtige, in unsere, Richtung gehen und mehr zu uns kommen.

Hier berichte ich in teils in Text, teils mit Videos von solchen Momenten bei mir und anderen und erläutere das Konzept der Stimmigkeit. Vielleicht ist es dir eine Anregung und schlärft deinen Blick für Stimmigkeit in deinem Leben.

Gern veröffentliche ich auch Rückmeldungen zu eigenen stimmigen Erfahrungen: kurz und knackig – als Anregung zum Leben im Einklang.

Potenzialaufstellungen: Der Blick nach vorne!

Klassische Familienaufstellungen nehmen die Herkunft und Vergangenheit in den Blick und sehen darin zentrale Wirkfaktoren für aktuelle Beziehungsprobleme. Der Blick nach vorne, auf unsere Zukunft, Ziele und Möglichkeiten wird seltener fokussiert, obwohl dies uns starke Motivation und neue Orientierung bieten kann. 

Mit diesem Aspekt „Potenzialentfaltung“ und der Frage wie das Leben gelingen kann beschäftige ich mich schon länger im Coaching für private und berufliche Themen. Daraus entwickelt hat sich in meiner Praxis eine eigenes Format der Aufstellungsarbeit, die „Potenzialaufstellung“

Erfahre hier einige Hintergründe und Möglichkeiten, die dieser Ansatz für dich bietet…

Zwei Schlüsselerlebnisse

Im Herbst letzten Jahres hatte ich hierzu zwei Schlüsselerlebnisse durch einige Begegnungen:

1. Positive Psychologie

Zum einen beschäftigte ich mich viel mit positiver Psychologie, Pädagogik und Potenzialentfaltung in Schule und in der Beratung. Was trägt dazu bei, dass eine, Beziehung, ein Berufsplan, ein Leben glückt oder gelingt? Sich selbst erkennen, gute Gewohnheiten, sog. „Tugenden“ aufbauen sind klassische Antworten aus der griechischen antiken Philosophie. Resiliensforschung, Motivationsforschung und Hirnforschung liefern moderne wissenschaftliche Erkenntnisse zum Glück.

2. Theory-U

Zum anderen lernte ich die Theory-U von Otto Scharmer und ihr Herzstück das Social Presencing Theater kennen und schätzen, das teils (im 4D-Mapping) frappierende Ähnlichkeit mit der Aufstellungsarbeit hat. Aber anders als die Aufstellungsarbeit setzt das SPT mehr auf Selbstorganisation und die autonome kreative Potenzialentfaltung. 

Therapie vs. Potenzialentfaltung

Angeregt dadurch nahm ich eines Abends einen Bleistift zur Hand und notierte zwei Spalten zu Therapie und Potenzialentfaltung:

Therapie
– Vergangenheit
– Heilung
– Trauma
– Schwere
– Probleme
Potenzialentfaltung
– Zukunft
– Entfaltung
– Leichtigkeit
– Lebensfreude
– Möglichkeiten

Mir wurde klar: Therapie und Potenzialentfaltung zielen beide auf Veränderung von Menschen und Systemen. Aufstellungsarbeit mit ihrem Ursprung im therapeutischen Bereich versteht Veränderung weitestgehend als Heilung von defizitären Mustern. Theory-U und das SPT sucht nach den kreativen Möglichkeiten, den Potenzialen in Menschen und sozialen Systemen; versteht Veränderung also als Innovation und Potenzialentfaltung.

Seitdem hat sich mein Gefühl für die Aufstellungsarbeit erweitert in Richtung Neugierde auf das, was möglich ist – auch in scheinbar verfahrenen Beziehungen. Dies ist übrigens in meinen Augen mehr als ressourcenorientiertes Arbeiten. Der Blick auf das Potenzial nimmt die Dimension des Möglichen, Ankünftigen mit hinein. 

Jetzt sehe ich noch mehr Potenzial in Aufstellungen als vorher und gehe mit mehr Freude und Leichtigkeit an die Arbeit!

Das eigene Potenzial und die Zukunft im Blick

„Ja, es sind noch Schritte, vielleicht auch schwere, zu gehen, aber es ist möglich!“,  ist nun die Botschaft.

Das, was mir in der Aufstellungsarbeit oft fehlte, war gerade der nach vorne gerichtete zukunftsfreudige Blick auf das Potenzial des aufgestellten Systems. Klassischerweise geht ja der Blick in die Vergangenheit, auf Verstrickungen, prägende Konflikte oder Krisen, die gelöst werden müssen.

Aber auch umgekehrt – so habe ich jetzt in Aufstellungen erlebt – gelingt Entwicklung, vielleicht sogar leichter: Der Blick auf das Potenzial, das was aktuell im besten Falle möglich ist, führt zu einer Ruhe und Kraft bei den Klienten und zu dem Bewusstsein, dass es auch in Ihrer Entscheidung und Gestaltungsmöglichkeit liegt, wie es weitergeht.

Ein neues Format: „Potenzialaufstellungen“


Und auch meine Aufstellungsarbeit hat es verändert und wirkt noch fort: 
Inzwischen habe ich ein eigenes erstes Aufstellungsformt dazu entwickelt, das ich „Potenzialaufstellung“ nenne. Ein Fallbeispiel schildere ich im nächsten Newsletter oder lerne diese Aufstellung bei einem meiner Workshops kennen.

Alle Aufstellungsarbeit ist Integrationsarbeit!

Die Suche nach dem Ausgeschlossenen

Es geht in Aufstellungen immer um das Auffinden des AusgeschlossenenNicht-Gesehenen, Abgespaltenen oder Ausgegrenzten. 

Somit ist Aufstellungsarbeit eine zutiefst systemische Methode: 
Sie blickt auf das ganze System.

Und der Weg zur Heilung als Wieder-Ganz-Werden ist ein Weg des Wieder-Hereinnehmens und Integrieren des Ausgeschlossenen.

>> Drei Arten der Integration durch Aufstellungen stelle ich hier vor.

1. Integration in klassischen Familienaufstellungen

In der klassischen Familienaufstellung sind oft Familienmitglieder ausgeschlossen, z.B. wenn um ein früh gestorbenes Baby nicht ausreichend getrauert wurde, es kein Begräbnis und keinen Namen bekommen hat oder wenn eine erste tiefe Liebe zu einem Partner vor dem eigentlichen Ehepartner nicht ausreichend gewürdigt wurde. 

Dann gehen oft Nachfolgende (Kinder) im Familiensystem unbewusst in Stellvertretung für diese ausgegrenzte, nicht gesehene Person. 

Sie wird dann in Aufstellungen dazu gestellt, so dass der Trauerprozess und die Würdigung in der Aufstellung nachgeholt werden kann und die Seele des Klienten so entlastet wird.

2. Integration von eigenen Anteilen

In der Psychotherapie inzwischen schon sehr verbreitet (vgl. Ego-State-Therapie) ist aber auch die Integration von Anteilen der eigenen Psyche, z.B. von abgespaltener Wut oder Anteilen, die man aus irgendwelchen Gründen in der Kindheit oder im Leben bislang nicht leben konnte.

Auch mit diesen kann in Aufstellungen sehr gut gearbeitet werden: Statt für Personen stehen dann Stellvertreter für diese Anteile und oft findet dann – wenn die Integration gelingt – eine ganz behutsame und zärtliche Annäherung zwischen KlientIn und diesem ihrem Anteil statt. Eine Bewegung, die auch die beobachtenden sehr berührt und auch sie ein Stück mehr mit sich selbst in Einklang kommen lässt. 

3. Systemische Selbstintegration (nach Dr. Langlotz)

Schließlich geht es bei dieser Integration von eigenen Anteilen auch um die Unterscheidung von Eigenem und Fremden. Fremde Anteile, sogenannte Introjekte (hinderliche Glaubenssätze der Eltern oder traumatische Erfahrungen) gehören nicht in unsere Seele. Bei Grenzverletzungen oder weil wir als Kind zu klein waren, uns selbst zu schützen, gelangen diese aber manchmal in unseren Bereich. Dann müssen wir wieder lernen und sortieren, was unser Eigenes und was Fremdes ist und unsere Integrität wieder herstellen. Diesen Aspekt der eigenen Grenze und der Unterscheidung von Eigenem und Fremden in der eigenen Seele betont die systemische Selbstintegration, die ich bei Langlotz gelernt habe.

Vertraute Sprache und ihre Entdeckung – Peter Schlötters Studie zur Raumsprache

Empirischer Beleg für das Phänomen der repräsentierenden Wahrnehmung

Wissenschaftliche Studien zu Familienaufstellungen oder Systemaufstellungen gibt es bislang noch wenige. 36 mehr oder weniger wissenschaftlich solide zählt Jan Weinhold 2014 anlässlich seiner Wirksamkeitsstudie „Dreierlei Wirksamkeit“.

Umso erfreulicher ist Peter Schlötters quantitativ-qualitative Dissertationsstudie aus dem Jahr 2004 zu dem für Aufstellungen aller Art zentralen Phänomen der repräsentierenden Wahrnehmung.

Zwar wird in einer Bewertung auf Amazon bemängelt, dass der wissenschaftliche Beleg der repräsentierenden Wahrnehmung überhaupt ja keine große Erkenntnis sei:
„Ein sehr praktisches Buch, denn es genügt Fritz Simons Vorwort zu lesen um festzustellen, dass hier am eigentlich relevanten Thema vorbeistudiert wurde. Die Aussage, die hier aus einer mühseligen Untersuchung gezogen wurde ist lediglich und einzig die, dass das, was in Aufstellungen passiert, kein Zufall ist. „.

Aber für alle, die Aufstellungen nicht selbst erlebt haben und mithin für die akademisch-wissenschaftliche Gemeinschaft ist der empirische Nachweis der repräsentierenden Wahrnehmung eine ganz neue Erkenntnis.

Repräsentierende Wahrnehmung kein Zufall, sondern Abhängig von der Position in Aufstellungen

Was aber genau wurde in der Studie erforscht?

Die Studie konnte eindrucksvoll belegen, dass die sogenannte repräsentierende Wahrnehmung kein Zufallsprodukt darstellt. In ca. 3000 Versuchen wurden etwa 200 Versuchspersonen an die gleichen Positionen in einer Handvoll Aufstellungsbilder aus echten Beratungsfällen geführt und standardisiert zu ihren Körperwahrnehmungen und Emotionen befragt. Es zeigte sich, dass sie an den gleichen Positionen hoch signifikant ähnliche Empfindungen hatten.

Was bedeutet das?

Dies zeigt, dass Menschen abhängig von der Stellung in einer räumlichen Anordnung von Personen bestimmte ähnliche Körperwahrnehmungen und Gefühle empfinden, z.B. das Gefühl der Zugehörigkeit, des Ausgegrenztseins, des im Zentrums-der-Aufmerksamkeit-Stehens, oder des Gefühls dominiert zu werden oder nichts zu sagen zu haben. Diese Gefühle haben dabei nichts mit dem persönlichen Hintergrund zu tun, sondern sind rein durch die Stellung in der Personenkonstellation induziert!

Offenbar bedeuten bestimmte Positionen in bestimmten Konstellationen etwas für die Beziehung zur Gruppe. Schlötter bezeichnet dies Phänomen deshalb auch als Raumsprache, die von einer Gruppe gesprochen wird.

Welche Bedeutung hat der wissenschaftliche Nachweis der repräsentierenden Wahrnehmung?

Repräsentierende Wahrnehmung doch noch mehr als nur Raumsprache?

Zunächst einmal ist nicht sicher, ob mit dem Nachweis der Bedeutung von Positionen in Personenkonstellationen auch wirklich alles empirisch nachgewiesen wurde, was Aufsteller unter der repräsentierenden Wahrnehmung verstehen. So vermutet Matthias Varga von Kibéd, der Vater der Methode der Strukturaufstellungen, in Schlötters Studie auch lediglich den Nachweis einer Vorform der repräsentierenden Wahrnehmung, die er geometrische Wahrnehmung nennt.

Ein anderer Hinweis, dass hier noch mehr über die räumliche Konstellation hinaus wirkt, geben z.B. auch Integrationsaufstellungen (z.B. im Lebensintegrationsprozess), bei denen zwei Repräsentanten gegenüberstehen und nach kurzer Zeit in Resonanz gehen, d.h. etwa ähnliche Haltungen annehmen oder von ähnlichen Körperwahrnehmungen und Emotionen berichten. Weitere Hinweise geben Aufstellungen, bei denen (zunächst) nur ein einzelner Repräsentant aufstellt wird und alleine schon deutliche körperliche und emotionale Veränderungen zeigt. Hier fehlt die Konstellation, von der die nachgewiesene Wirkung der Raumsprache ausgeht in der Aufstellung ja ganz.

Aufstellungen als ernstzunehmende Beratungsmethode für Privatpersonen und Organisationen

Letztendlich aber ist der Nachweis ein erster Schritt auf dem Weg einer wissenschaftlichen Erforschung der Aufstellungsarbeit und damit auch ein erster Schritt hin dazu als Methode weithin über private Therapie und Coachings hinaus ernst genommen zu werden. Dies ist auch eine der Motivationen für Herrn Schlötter gewesen, der die Methode seit Jahren erfolgreich für Wirtschaftsunternehmen als Organisationsberatung anwendet.

Er verrät in seiner Studie auch das besondere Potenzial, das er in Aufstellungen gegenüber anderen Beratungsmethoden sieht:

Er versteht Aufstellungen als ein weiterer „Königsweg zum Unbewussten“. „Die Informationen, die in einer [System]aufstellung auftauchen, tauchen als Integration vieler Einzelkommunikationen auf.“ (Schlötter, S. 201)
Über diese wird in der Aufstellung meta-kommuniziert wird.  Das bedeutet, dass in einer Aufstellung durch die Aufstellung darüber in der Raumsprache „gesprochen“ wird, wie Personen zueinander stehen und zwar aufgrund von vielen einzelnen Erfahrungen miteinander.

Als Beispiel aus einer Familienaufstellung führt Schlötter an: Wie steht ein Sohn zu seinem Vater, wenn er von diesem regelmäßig geschlagen wurde?

Recht selbstbewusst formuliert Schlötter am Schluss seiner Studie die Hoffnung mit dem Nachweis der repräsentierenden Wahrnehmung eine neue Forschungsdisziplin im Keim angelegt zu haben. Nun gehe es um Fragen nach der Genese, den Eigenschaften und der Funktion dieser Raumsprache.

 

Fazit:

Empfehlenswert für alle, die sich eingehende mit dem Phänomen der repräsentierenden Aufstellung beschäftigten wollen.

 

 

 

 

 

Die Tanne und das Apfelbäumchen

Schon einen ganzen Tag hat der große Samurai in der Schlange gestanden, um eine Audienz beim Zen-Meister zu bekommen. Als er am Abend schließlich an die Reihe kommt, spricht er zum Meister:

„Eigentlich hatte ich eine ganz andere Frage, aber jetzt habe ich dich den ganzen Tag beobachtet und ich frage mich, wieso ich mir dabei so klein vorkomme.“

Da zeigt der Zen-Meister in die Landschaft:

„Siehst du da im Palastgarten diese hohe, große Tanne – ein mächtiger Baum! Und daneben, ganz klein, ein Apfelbäumchen. Meinst du die Tanne hat sich schon einmal nur gefragt, wieso sie nicht so herrliche, süße Früchte trägt, wie das Bäumchen? Und hat der Apfelbaum sich wohl schon einmal nur gefragt, wieso er nicht so hoch ist und weit in die Landschaft schauen kann, wie die mächtige Tanne?

„Kunststück!“, antwortete der Samurai, der einer der besten Krieger des Landes war.

„Bäume können ja auch nicht vergleichen!“

„Aha! Ich sehe, du beginnst zu begreifen!“, antwortete der Zen-Meister lächelnd.

 


 

Vergleiche machen häufig klein und führen zu Neid und einem schlechtem Gefühl, weil wir uns meist automatisch mit jemandem vergleichen, der mehr hat oder im Vergleichspunkt besser ist als wir. Selten vergleichen wir uns mit jemandem, der weniger hat oder schlechter ist als wir. Wenn wir dies aber tun, erkennen wir, wie gut es uns geht und sind dankbar für das, was wir haben, können und sind.

 

Diese Geschichte und viel mehr verdanke ich Heinrich Breuer, Köln.
Bildquelle: Rainer Sturm  / pixelio.de

Ja! zum eigenen Leben sagen – eine Übung

Waren sie schon einmal unzufrieden mit sich selbst?

Haben sich über ihre eigenes Verhalten anderen gegenüber geärgert? Waren mit ihrern Leistungen unzufrieden? Oder haben mit einer Entscheidung gehadert: Hätte ich doch…

Wer kennt das nicht? Derartiges gehört schließlich zum Leben dazu? Wenn es sich aber häuft und zu einem generellem Gefühl und einer ablehnenden Haltung dem eigenen Leben oder einem wichtigem Bereich des eigenen Lebens – Partnerschaft, Beruf, Familie – wird, fühlen wir uns zunehmend unglücklich.

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„Nur“ Stellvertreter sein? – Vom Wert und der Bedeutung der Stellvertreterrolle in Aufstellungen

Das Phänomen der Stellvertretung

Wenn ein Teilnehmer einer Familienaufstellung oder Systemaufstellung gebeten wird, in einer Aufstellung eine andere, meist nicht anwesende Person darzustellen, nennt man diesen Teilnehmer für die Dauer der Aufstellung Stellvertreter oder Repräsentant, da er die andere Person symbolisch repräsentiert.

Das Beeindruckende und immer wieder quasi Magische dabei ist, dass die Stellvertreter dabei meist stimmig Gefühle, Körpehaltungen und Verhalten in der Aufstellung zeigen, die treffend zu der vertretenen wirklichen Person passen. Und das ganz ohne viel oder überhaupt Information über diese zu haben, geschweige denn, diese zu kennen. Von diesem als repräsentierende Wahrnehmung bezeichnetem Phänomen lebt die Dynamik einer Aufstellung in einer Gruppe: Sie sorgt für die überraschenden Erkenntnisse und Wendungen, die sich häufig in Aufstellungen ergeben.

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Die Entwicklung des Lebensintegrationsprozesses (LIP) nach Wilfried Nelles aus dem klassischen Familienstellen

„Das Leben hat keinen Rückwärtsgang“

„Das Leben hat keinen Rückwärtsgang“ lautet der Titel eines der Bücher von Wilfried Nelles zu seiner eigenen Form der Aufstellungsarbeit. Darin entwickelt er die Gedanken zum LIP, die aus seiner Auseinandersetzung mit der klassischen phänomenologischen Aufstellungsarbeit, wie er sie noch von Hellinger selbst gelernt hat, erwachsen sind.

Einen Teil dieser Entwicklung bekam ich selbst in den Jahren 2007-2009 in seinen Aufstellungsworkshops mit, in denen er immer wieder kleine Vorträge einflocht. Zunehmend störte er sich an dem Konzept der „Verstrickung“ und der Lösung aus ihr durch eine Aufstellung sowie z.B. an der Heilung der „unterbrochenen Hinbewegung“ durch ein symbolisches Nachholen dieser Bewegung vom Kind zum Elternteil in einer Aufstellung. Weiterlesen

Herkunft, Name, Identität – ein persönlicher Beitrag

Von Crueger zu Prisor

2016 war ein ereignisreiches Jahr für mich: Ich habe den Namen meines Vaters angenommen, geheiratet und bin 40 geworden! Nun heißen wir alle – meine Frau und meine beiden Kinder – Prisor und sind so auch nach außen einmal mehr zu einer Familie zusammengewachsen.

Dem vorweg ging ein langer –  wie im Märchen tatsächlich siebenjähriger – Veränderungs- und Entscheidungsprozess:  Viele eigene Aufstellungen, in denen ich symbolisch meinem Vater gegenüberstand und Schritt für Schritt zu ihm fand, mich versöhnte und ihn als meinen leiblichen Vater anerkannte.

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